Boom in der Schweizer Industrie: Der Einkaufsmanager-Index erklimmt ungeahnte Höhen

Industriekräne

Der Schweizer Industrie geht es blendend: Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Unternehmen, seien es Hersteller von Transportwagen oder Produzenten von Armbanduhren, so viel einkaufen wie zuletzt im Jahr 2015. Damit scheint bewiesen, dass die Widerstandskraft der hiesigen Wirtschaft gegenüber dem starken Franken doch grösser ist, als viele Beobachter dachten. Die Produktion von Transportwagen und anderen Gütern konnte über einen Zeitraum von vierzehn Monaten kontinuierlich gesteigert werden.

Einkaufsmanager-Index: Gradmesser für den Zustand der Schweizer Industrie

Die statistische Grundlage für den diagnostizierten Aufschwung liefert der sogenannte Einkaufsmanager-Index (PMI), der von der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit dem Fachverband für Einkauf Procure.ch erstellt wird. Konkret legte der Index im November 2016 auf 56,6 Punkte zu, was gegenüber dem Vormonat einen Anstieg um 1,9 Punkte bedeutet. Die sogenannte Wachstumsschwelle, ab der mit einer Zunahme des Wirtschaftswachstums in der Schweiz zu rechnen ist, liegt bei exakt 50 Punkten. Der Einkaufsmanager-Index befindet sich seit nunmehr über einem Jahr oberhalb dieser Schwelle und hat mittlerweile den höchsten Stand seit Februar 2014 erreicht. Der PMI-Index wird auch in anderen Ländern zur Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit herangezogen – unter anderem in Deutschland, Österreich sowie in den Vereinigten Staaten.

Eine Stimmung wie zu Boomzeiten

Ein derartig hoher PMI-Wert wie derzeit wurde in den vergangenen 20 Jahren nur wenige Male erreicht. Als Beispiele nennt die Credit Suisse den Hightech-Boom zur Jahrtausendwende, als nicht nur Produzenten von Hochtechnologie, sondern auch Hersteller von Transportwagen und anderen Industriegütern fantastische Umsatzzahlen verzeichneten. Weitere Hochphasen waren die Jahre zwischen Anfang 2005 und Mitte 2008, als die Finanzkrise die hiesige Industrie traf, sowie die Erholungsperiode zwischen 2010 und 2011. Die gute Stimmung an den Märkten wirkt sich auch auf die Finanzwirtschaft aus: Wer heute eine Firma gründen möchte, die Kragarmregale oder Transportwagen herstellt, hat es aufgrund des positiven Marktumfeldes bedeutend leichter als noch vor 5 Jahren, einen Kredit zu bekommen.

Lagerabbau trotz höherer Einkaufsmenge

Ein weiteres Zeichen dafür, dass es den hiesigen Unternehmen so gut geht wie seit Jahren nicht mehr, ist der verstärkte Abbau von Lagerbeständen. Da sich die Einkaufsmenge gleichzeitig erhöht hat, kann nach Ansicht von Experten daraus gefolgert werden, dass die Nachfrage grösser gewesen ist als die Produktion. Auch mit Blick auf den Personalbestand in den Firmen gibt es Positives zu vermelden: Zum ersten Mal seit Ende 2014 wurden in der Schweizer Industrie wieder mehr Menschen eingestellt. Wer sich heute um einem Job bei einem Hersteller von Transportwagen bewirbt, kann bei entsprechender Qualifikation damit rechnen, zu einem Einstellungsgespräch eingeladen zu werden.

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